14 Dezember 2012 ~ 0 Kommentare

Affiliate-Marketing für Finanzdienstleister: Vorstellung der relevanten Netzwerke

Nachdem ich im ersten Teil meiner Artikelserie zum Thema „Affiliate-Marketing“ die unterschiedlichen Arten von Publishern recht allgemein vorgestellt habe, möchte ich in diesem Teil den Schwenk zu Finanzdienstleistungen hinbekommen und später noch einige der relevanten Netzwerke in diesem Bereich vorstellen.

Strategische Ausrichtung

Wenn man als Unternehmen seine Produkte über Affiliate-Marketing vertreiben möchte, muss man sich mindestens über folgende Punkte Gedanken machen:

- Über welches Netzwerk möchte ich mein Affiliate-Programm vertreiben?
Diese Entscheidung beeinflusst die Reichweite des Programms, die Kosten, technische Fragestellungen und personelle Kapazitäten. Grundsätzlich gilt, je mehr Netzwerke Ihr Programm vertreiben, umso mehr Reichweite haben Sie. Allerdings stehen dem fixe SetUp-Kosten der Netzwerke und laufende Controllingaufwände gegenüber. Je mehr Netzwerke angebunden sind, umso mehr Schnittstellen müssen vom Unternehmen bedient werden und es muss technisch verhindert werden, dass es zu Doppelvergütungen kommt. Deshalb wählen die meisten Unternehmen nur ein oder zwei Netzwerke aus, mit denen sie zusammenarbeiten.
Theoretisch ist es auch möglich, ein Affiliate-Programm ohne ein externes Affiliate-Netzwerk zu betreiben. Es gibt dafür spezielle Software-Lösungen wie NetSlave oder Netrefer, allerdings muss dann selbst für die Reichweite des Programms gesorgt werden.

- Wie hoch soll die Publisher-Vergütung bei erfolgreicher Vermittlung ausfallen?
Dies lässt sich nicht generell beantworten und hängt stark von dem beworbenen Produkt ab. Hier spielen Wettbewerbsintensität, Marge des Produktes und Conversion-Wahrscheinlichkeit eine Rolle. Außerdem ob es sich um eine Lead- oder Salevergütung handelt. Später werde ich noch eine Übersicht zu den üblichen Vergütungen im Finanzbereich geben.

- Soll das Affiliate-Programm inhouse oder über eine Agentur betreut werden?
Zu diese Frage habe ich mir schon vor einiger Zeit Gedanken gemacht und dazu einen eigenen Post verfasst.

Netzwerke

In Deutschland sind diverse in- und ausländische Affiliate-Netzwerke aktiv. Die meisten Netzwerke haben sich dabei auf bestimmte Branchen spezialisiert und unterscheiden sich zusätzlich über die Anzahl an angemeldeten Publisher, Service und Kosten.

Auf der Kostenseite hat sich eine Gebühr von 30% durchgesetzt, die von den Netzwerken auf die umgesetzte Publishervergütung erhoben wird. Diese Gebühr ist bei allen Netzwerken gleich hoch und kann allenfalls bei bestimmten Volumina oder bedeutenden Ankerpartnern noch verhandelt werden. Auch die Exklusivität des Partnerprogramms kann ein Punkt sein, um die Gebührenpauschale noch nach zu verhandeln. Zu der laufenden anteiligen Provision wird von den Netzwerken noch eine SetUp-Gebühr für das Aufsetzen eines Partner-Programms erhoben. Diese fällt unterschiedlich hoch aus und muss erfragt werden. Neben diesen rein monetären Gesichtspunkten kommen noch Service und Technik dazu.

Zanox:
Das größte Netzwerk in Deutschland gemessen an Umsatz und Anzahl an Publishern gehört zum Axel Springer Konzern. Zanox ist europaweit tätig und daher für internationale Marken interessant. Im Finanzbereich gut aufgestellt, da fast jeder Publisher auch einen Account bei zanox hat. Viele der großen Finanzdienstleister sind deshalb auch mit ihren Programmen bei zanox vertreten. Auf der anderen Seite bietet Zanox keine speziellen Tools für Finanz-Affiliates wie z.B. Vergleichsrechner an.

Tipp: In diesem Jahr hat Zanox mit dem Zanox-Marketplace ein neues Interface gelauncht. Dort lassen sich sehr viele Kennzahlen abfragen, u.a. auch zu Wettbewerbern (Conversion-Rates, Bestätigungsraten etc.). Diese Daten sind aber nur von der Publisher-Seite aus sichtbar. Wen diese Daten interessieren, sollte sich dort auch einmal als Publisher anmelden, z.B. mit einer privaten Webseite.

Weitere Infos zu zanox:
http://www.zanox.com/de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Zanox
http://www.affiliate-marketing-tipps.de/affiliate-netzwerke/zanox-affiliate-netzwerke-vorstellung/100276/

Affili.net
Das wahrscheinlich zweitgrößte Netzwerk im deutschen Markt gemessen an der Anzahl Publisher und Umsatz gehört zu United Internet. Auch hier sind viele Finanzdienstleister mit ihren Programmen anzutreffen. Die comdirect zum Beispiel exklusiv.

Das Netzwerk hat ein etwas altbacken wirkendes Interface, das schon einige Jahre kein Update mehr erhalten hat. Aber dieser Eindruck ist natürlich subjektiv gefärbt. Positiv hervorzuheben ist, dass Vergleichsrechner für die Produkte Tagesgeld, Festgeld und Girokonto zur Verfügung gestellt werden. Ob und inwiefern diese aber weiterentwickelt werden, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich diese nicht einsetze und der Verbreitungsgrad dieser Rechner gefühlt nicht sehr hoch ist.

Ein Nachteil bei affilinet ist, dass Publisher nur einen individuellen Trackingcode pro Account erhalten, unabhängig davon, mit wie vielen Seiten sie dort angemeldet sind. Für den Merchant ist es so schwieriger nachzuvollziehen, woher der Traffic letztendlich gekommen ist. Für den Publisher ist das auch suboptimal, weil er Gefahr läuft, sogenannte Footprints durch die Einbindung desselben Codes in diverse Webseiten zu hinterlassen.

Weitere Infos zu Affili.net
http://www.affili.net
http://de.wikipedia.org/wiki/Affilinet

Financeads
Dieses Netzwerk hat sich auf Finanzdienstleister und die Ziel-Märkte Deutschland und Österreich spezialisiert. Das Netzwerk hat seinen Sitz in Nürnberg und wird von Ralf Fischer geführt, der früher selber als Affiliate aktiv war. Aufgrund der Spezialisierung und der überschaubaren Größe ist der Servicelevel und das Branchen-KnowHow bei diesem Netzwerk sehr hoch. Das Netzwerk hat zwar vergleichsweise wenig Publisher-Webseiten angebunden, dafür sind diese Seiten aber durchweg von einer hohen Qualität. Die Auswahlkriterien für teilnehmende Webseiten sind sehr restriktiv und so mancher Hobby-Webmaster wird mit seiner Webseite abgelehnt. Financeads bietet Produktrechner für viele Produkte an, die vom Webseitenbetreiber entweder 1:1 übernommen werden können oder durch die Bereitstellung von XML-Daten komplett an das Design der Webseite angepasst werden kann. Die Verbreitung der Produktrechner von FinanceAds ist auf den relevanten Finanz-Webseiten recht hoch.

Weitere Infos:
http://www.financeads.net/
Interview mit Ralf Fischer von Financeads

Affiliando/Zieltracker
Ein ebenfalls auf Finanzdienstleister ausgerichtetes Netzwerk sowie Agentur aus München. Zielmarkt in Deutschland, es gibt aber auch einige Kampagnen für Österreich im Programm.

Dieses Netzwerk hat zuletzt einige Schlagzeilen produziert. Nach Differenzen mit dem Haupt-Gesellschafter (der Fidor Bank) gab es einen Wechsel des kompletten Managements und vielen Mitarbeitern. Das ehemalige Management hat dann eine Neugründung vollzogen und macht Zieltracker nun mit einer neuen Agentur (Netzeffekt) Konkurrenz. Das Zieltracker-Management wurde dann durch ehemalige Zanox-Manager ersetzt, trotzdem sind viele große Merchants zu anderen Netzwerken abgewandert (u.a DAB Bank). Jetzt muss man mal schauen, wie sich das Netzwerk aufstellt und weiter entwickelt.

Financequality/Netzeffekt
Die Neugründung des ehemaligen Zieltracker-Managements ist ebenfalls in München beheimatet. Das Netzwerk ist erst seit Mai 2012 im Markt. Aufgrund der persönlichen Kontakte konnten aber bereits einige namhafte Merchants gewonnen werden (DAB Bank, S-Broker, netbank, DKB, Asstel). Auch Financequality bietet eigene Produktrechner an. Der Clou daran ist, dass Publisher damit auch Merchants bewerben können, die selbst nicht bei Financequality gelistet sind. Die Rechner sind also offen für fremde Netzwerk-Trackingcodes. Dies ist bei Financeads übrigens auch der Fall.

Diese Aufzählung der in Deutschland aktiven Affiliate-Netzwerke ist absolut nicht vollständig, doch dies sind im Finanzbereich die wichtigsten und wer überlegt, ein eigenes Programm zu etablieren, sollte sich mit diesen Netzwerken auseinandersetzen.

Weitere Info: Ranking der Affiliate-Netzwerke
http://www.100partnerprogramme.de/images/affiliate-netzwerke-ranking-2012-g.gif

Update 21.02.2013: Wer als Merchant große Datenmengen verarbeiten möchte, ist unter Umständen froh, wenn das Netzwerk eine API zur Verfügung stellt, über die z.B. Sales und Provisionen bearbeitet werden können. Im Projecter-Blog werden jetzt die APIs von einigen Netzwerken vorgestellt.

Das Programm steht – was nun?

Sie haben ein Programm aufgesetzt und es bei einem oder mehreren Netzwerken etabliert. Jetzt brauchen Sie nur noch Publisher, die Ihr Programm bewerben und so für Umsatz sorgen. Es geht also um die Reichweite Ihres Programms.

Die Netzwerke versenden regelmäßig Newsletter an die angemeldeten Publisher und informieren über Neustarts. Zusätzlich kann man mit den Netzwerken auch vereinbaren, dass diese relevante Publisher individuell ansprechen und auf das neue Programm aufmerksam machen.

Auf die Maßnahmen des Netzwerkes sollte man sich jedoch nicht ausschließlich verlassen, sondern proaktiv selber für das eigene Programm Werbung machen. Eine sehr gute Möglichkeit ist es, eine Unterseite auf der eigenen Webseite einzurichten und dort das Partnerprogramm vorzustellen. Diese Seite sollte man auch so nennen: Partnerprogramm oder Affiliate-Programm und z.B. über den Footer verlinken.
Zusätzlich sollte man “seine” Keywords bei Google eingeben und schauen, welche Webseiten dazu auf der ersten Seite stehen. Ist dort das eigene Partnerprogramm noch nicht gelistet, sollte man diese Webseitenbetreiber ansprechen und auf das eigene Partnerprogramm aufmerksam machen. Welche Arten von Publishern es gibt und was die von einem Partnerprogramm erwarten, habe ich im ersten Teil dieser Serie über das Affiliate-Marketing beschrieben.

Produkte und Vergütungen

Über Affiliate-Marketing lassen sich die allermeisten Finanzdienstleistungs-Produkte gut vertreiben. Besonders beliebt sind Girokonto, Kredite, Tagesgeld, Depot und Versicherungen.

Im nächsten Teil möchte ich zeigen, welche Provisionen für einen Lead oder Sale gezahlt werden und welche Publisher in den jeweiligen Produktkategorien aktiv sind.

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


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