03 Februar 2010 ~ 0 Kommentare

ibi Website Rating 2010 Award Veranstaltung

Auch in diesem Jahr habe ich wieder die weite Fahrt nach Regensburg angetreten, um an der Verleihung des ibi Website Ratings 2010 teilzunehmen. Die Veranstaltung hat für mich einen besonderen Wert, weil dort gute Best-Practice-Einblicke in den Online-Vertrieb von Retail-Banken gegeben werden und man auch immer den einen oder anderen Bekannten trifft.

Die Evaluierung wurde jetzt schon zum 12. Mal vom ibi Institut an der Universität Regensburg durchgeführt und umfasst 160 deutschsprachige Bank-Webseiten. Neben den Kernkriterien Online-Beratung und Usability wurden in diesem Jahr besonders die Bereiche Girokonto und die Webseiten-Suchfunktion unter die Lupe genommen.

Auf das Thema Girokonten habe ich mich besonders gefreut. Es fungiert sehr häufig als Einstiegsprodukt, hier entscheidet sich regelmäßig ob ein Kunde für das Institut gewonnen wird und dann später Cross/Upsellingpotential bietet oder nicht. So definieren viele Institute Girokonten als ihr Leuchtturmprodukt und verwenden viel Energie auf die Web-Optimierung und Online-Marketing. Ein fundierter Marktüberblick zu dem Thema ist daher sehr spannend.

Als Erfolgskriterien für einen guten Online-Vertrieb nennt ibi research die Phasen des Kaufprozesses.
Anregung (z.B. großformatige Teaser),
Evaluation (Darstellung von Produktinfos, Konditionen, Kontowechselservice, GAA-Standorte, Sicherheit Online-Banking, Vorhandensein von Beratungstools),
Kauf (Transparenz des Kontoeröffnungsprozess, Terminvereinbarungs-Widget)
After Sales (Cross-Selling, Zufriedenheitsbefragungen)

Jede Phase hat dabei das Ziel, den Kunden in die nächste Phase zu überführen und Ausstiege aus dem Prozess zu vermeiden.

Beim diesjährigen ibi Website Rating schnitten insbesondere die Großbanken gut ab und lagen in allen 4 Kriterien über dem Durchschnitt. Defizite in den Bereichen „Kauf“ und „After Sales“ wurde den Genobanken und Sparkassen attestiert. Die Direktbanken waren im Bereich „Kauf“ gut aufgestellt, haben dafür aber den Bereich „After Sales“ vernachlässigt. Soweit die Analyse nach Institutsgruppen.

Die Gesamtsiegerin über alle Produktkategorien hinweg war auch in diesem Jahr wieder die Postbank. Bereits zum dritten Mal in Folge konnte die Postbank nun den ibi Website Award gewinnen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Gesamtwertung
1. Postbank
2. Sparkasse Hannover
3. Dresdner Bank
4. KSK Köln
5. Sparkasse Aachen
6. Deutsche Bank
7. Sparkasse Saarbrücken
8. SEB
9. Sparkasse Köln Bonn
10. Stadtsparkasse München

Außerdem wurden auch die Top 3 der jeweiligen Institutsgruppen ermittelt:

Großbanken:
1. Postbank
2. Dresdner Bank
3. Deutsche Bank

Privatbanken:
1. SEB
2. Citibank
3. norisbank

Sparkassen:
1. Sparkasse Hannover
2. KSK Köln
3. Sparkasse Aachen

Genobanken:
1. Mainzer Volksbank
2. PSD Nürnberg
3. BB Bank

Direktbanken:
1. ING-Diba
2. comdirect
3. CortalConsors

Neben den Gesamtsiegern wurden auch Awards für die Gewinner der Schwerpunktthemen vergeben. Für die beste Ausgestaltung des Online-Girokontos wurde die Sparkasse Hannover und für die beste Suchfunktion die Sparkasse KölnBonn ausgezeichnet:

Schwerpunkt Girokonten:
1. Sparkasse Hannover
2. Postbank
3. Deutsche Bank
4. Sparda Bank West
5. Dresdner Bank

Schwerpunkt Suchfunktion:
1. Sparkasse KölnBonn
2. KSK Köln
3. SEB (gute bedarfsorientierte Suche)
4. Deutsche Bank
5. ING-Diba (gute produktzentrierte Suche)

Spannend waren noch die kurzen Vorträge der drei Siegerbanken (Gesamtwertung).

Für Thomas Lob von der Dresdner Bank waren die letzten Monate durch die optische und inhaltliche Angleichung an den Auftritt der Commerzbank geprägt. Mitte 2010 soll der Markenauftritt beider Institute im Netz vereinheitlicht sein.

Tobias Weber von der Sparkasse Hannover stellte den neuen Internetauftritt der Sparkasse Hannover vor. Dieser Rahmenauftritt soll zusammen mit einem neuen Online-Banking im Mai 2010 live gehen. Im Online-Banking wird es dann z.B. möglich sein, Kontoumsätze von bis zu einem Jahr abzufragen. Die Sparkasse Hannover setzt wie kein anderes Institut auf mediale Inhalte im Web. Jedes Produkt hat hier ein eigenes Video-Tutorial. Und diese Methode hat anscheinend Erfolg, denn die Sparkasse Hannover hat in der Institutskategorie Sparkassen auch schon zum zweiten Mal hintereinander den ersten Platz belegt.

Großes vor hat auch Tobias Ehret von der Postbank. Der dreimalige Gesamtsieger machte nicht den Eindruck, als ob er sich auf den Erfolgen ausruhen wollte. Ganz im Gegenteil, die Postbank scheint in diesem Jahr besonderen Fokus auf die Bestandskundenaktivierung im Internet zu legen. Kein Wunder bei der gigantischen Zahl von über 4 Mio. Online-Kunden. Gelingen soll dies mit einer eigenen Online-Welt für Bestandskunden. Dort wird es Einkaufsvorteile für Produkte von Kooperationspartnern geben. Außerdem sollen Kunden die Möglichkeit erhalten, eigene Angebots-/Produktideen vorzuschlagen und mit der Bank zu entwickeln. Postbank goes Social Banking oder Fidor light? Soweit wird es sicher nicht gehen, aber die Postbank scheint einiges vorzuhaben. So sollen nach den Erfahrungen mit Tchibo das Kooperationsgeschäft weiter ausgebaut werden. Mit eBay werden jetzt gemeinsame Produkte entwickelt. Bei dem eBayGirokonto soll es z.B. CashBack auf eBay-Transaktionen geben. Neuerungen wird es auch im Bereich des Empfehlungsmarketings geben, so können Neukunden künftig auch durch Nichtkunden geworben werden und erhalten dafür eine Prämie. Bisher war die Empfehlung nur Kunden vorbehalten.

Soweit zu den Ergebnissen und den Vorträgen der Veranstaltung ibi Website Rating 2010. So konnte ich die lange Rückfahrt mit dem Zug wenigstens gut nutzen.

Über Feedback und Kommentare freue ich mich wie immer.

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


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