12 Mai 2009 ~ 2 Kommentare

Innovationstagung Bank und Zukunft 2009 – Recap Teil 2

Vor ein paar Tagen habe ich die Veranstaltung “Bank und Zukunft 2009″ besucht und dazu auch bereits ein kleines Recap verfasst. Nun wollte ich den zweiten Teil der Zusammenfassung folgen lassen. Glücklicherweise habe ich aber vorher entdeckt, dass Martina Göhring von Bank-Zweinull ebenfalls einen Bericht von der Veranstaltung veröffentlicht hat. Schön, denn dann kann ich mich auf ein paar Ergänzungen beschränken und der Leser bekommt in der Summe trotzdem einen guten Eindruck von den Veranstaltungsinhalten ohne selbst dort gewesen sein zu müssen (schließlich fand ja parallel die next09 in Hamburg statt).

Block Filialbanking:  erster Vortrag (Hans-Peter Schmid, Vorstand Filialvertrieb Postbank AG)

Im zweiten Vortrag beleuchtete Bernhard Keller von TNS Infratest, warum Kunden überhaupt in eine Bankfiliale gehen. Anlässe für einen Filialbesuch können danach z.B. sein:

GAA (58%), Kontoauszug (24%), Überweisung (9%), persönliches Beratungsgespräch (7%), eine Überweisung persönlich abgeben (4%), Geld persönlich abholen (4%), Kurzinfo (1%), Konto eröffnen (1%).

Jeder 10. Kunde betritt eine Filiale spontan. Die anderen 9 planen den Besuch vorher. Die meisten würden jedoch überhaupt keinen Grund sehen, in eine Filiale zu gehen. Banken versuchen deshalb, die Eintrittsbarrieren systematisch zu verringern. Ausstellungen, Info-Kästen von Vereinen, Kaffeeautomaten, Wasserspender sind da noch die simpelsten Versuche. Am anderen Ende der Skala finden sich Ticketcounter (Sparkasse Düsseldorf), Friseure, Reisebüros, Kaffeeröster und andere fremde Dienstleister (KSK Ludwigsburg). Diese Investitionen könnten sich lohnen, so war der Referent der Meinung, dass die Bedeutung der Filiale weiter zunehmen werde. Einen Grund dafür sah er in der steigenden Beratungsintensität, die z.B. durch rechtliche Auflagen notwendig würde.

Wie muss eine Filiale aussehen, damit mehr Menschen dort hingehen? Dieser Frage ging Tim Allen von der Designberatung AllenInternational im letzten Vortrag des Filialbanking-Blocks nach. Sieben Filialkonzepte aus seiner internationalen Beratertätigkeit verschafften einen guten Eindruck des Status Quo in diesem Feld. Einige dieser Beispiele finden sich in Kurzform auch auf der Homepage. Daher verzichte ich hier auf eine ausführliche Darstellung. Zum Schluss seines Vortrages stellte er noch ein visionäres Konzept vor. Wenn Hugo Boss eine Bank wäre, wie sähe dann deren Filiale aus? Die Antwort gab er auch direkt in Form einer 3D-Animation. Ein dunkel-gehaltener Premium-Traum auf drei Etagen, inklusive riesiger Displays auf denen Formel 1 läuft. Vielleicht demnächst bei Sal. Oppenheim? ;-) Eher unwahrscheinlich.

Nach einer kleinen Stärkung zur Mittagszeit begann der Block mit innovativen Marketingbeispielen. Tristan Reckhaus von IBM stellte zum Einstieg in das Thema die wichtigsten Web 2.0-Trends vor. Später folgte ein Vortrag von Dr. Tobbias Schlömer von der Deutschen Bank. Er erläuterte in Grundzügen das Marketingkonzept der Deutschen Bank. Ich hatte bereits über die neue Kampagne berichtet. Seiner Meinung nach sind Produkte mit komplexer Produktlogik und schicken Namen out. Stattdessen würden Kunden nach einfachen und transparenten Produkten verlangen.

Mit dem Vortrag von Alexander Artopé von der Online-Kreditbörse smava folgte ein weiteres Highlight der Veranstaltung. Ich hatte zwar schon einiges über smava gehört, wie das Geschäftsmodell aber im Detail funktionierte, war mir bis dahin nicht klar.
Zur Zeit werden 8 – 10% aller Kredite in Deutschland online aufgenommen. Die Steigerungsraten dieses Vertriebswegs liegen bei 30-40% pro Jahr. Ein sehr lukrativer Markt also von dem in erster Linie die Platzhirsche easyCredit, Citibank oder Santander Consumer profitieren. Online-Kreditbörsen wie smava bieten jedoch echte Mehrwerte und sind nicht nur etwas für Menschen mit ausgeprägter sozialer Ader. Im Gegenteil, so liegen die Vorteile z.B. darin, dass hier auch Selbständige problemlos einen Kredit bekommen. Zudem sind die Zinssätze transparent und vorab kalkulierbar. Und die Anlegerseite setzt sich auch nicht nur aus Gutmenschen zusammen, sondern aus Leuten, die sich u.a. auch eine gute Verzinsung ihres Geldes wünschen. Die liegt i.d.R. weit über Tagesgeld- oder anderen Sparzinsen. Das Risikomanagement wurde auch recht ausführlich vorgestellt, hier habe ich aber keine Leidenschaft entwickelt, dem im Detail zu folgen. In Deutschland ist durch das KWG geregelt, dass eine regelmäßige Geldleihe nur über Banken erfolgen darf. Deshalb werden die Transaktionen über eine sog. White-Label-Bank abgewickelt. Im Falle smava ist das die biw AG aus Düsseldorf. Die Bank wickelt z.B. auch das Online-Brokerage für flatex und E*Trade ab. Vor kurzem hat smava den Markteintritt in Polen vollzogen. Dort ist die Zinsspanne höher als in Deutschland und eine fremde Bank zur Abwicklung wird auch nicht benötigt. Insgesamt ein klasse Vortrag, der bei mir persönlich Interesse geweckt hat, sich diese Form der Geldanlage einmal näher anzuschauen. Wer noch mehr über smava erfahren möchte, dem empfehle ich die StartUp-Story auf gruenderszene.de

Letzter Programmhöhepunkt war die Preisverleihung “Geschäftsstelle des Jahres 2009” des Holzmann Verlages. Unter den Siegerkonzepten hat mir das Individualkundenkonzept der Augsburger Aktienbank am meisten gefallen. Zum Abschluss einige Bilder des umgebauten BeratungsCenters, die mir die Bank freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

BeratungsCenter Augsburger Aktienbank 2009

BeratungsCenter Augsburger Aktienbank 2009

Beratungscenter der Augsburger Aktienbank (2)

Beratungscenter der Augsburger Aktienbank (2)

Bestes Konzept für Individualkundenbetreuung

Bestes Konzept für Individualkundenbetreuung

Update 26.06.2009:  die Präsentationen der Veranstaltung “Bank und Zukunft” auf den Seiten von IBM zum Download.

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


2 Kommentare zu “Innovationstagung Bank und Zukunft 2009 – Recap Teil 2

  1. Thomas 2 Juni 2009 um 20:19

    Update: zwischenzeitlich wurde die komplette Preisverleihung “Geschäftsstelle des Jahres 2009″ als Video-Aufzeichnung online gestellt.

    http://www.geldinstitute.de/data/mediagalerie/media_inline_2561282.html?MM=3546789

  2. Lelala 10 April 2013 um 12:51

    Bin im Rahmen einer Recherche zur Banken”innvoation” hier gelandet, danke für das Recap.
    Ob sich derart innovative Konzepte beim “Deutschen Michel” durchsetzen, werden bleibt abzuwarten – Geld & Kaffee vertragen sich mit der “Konservativität” bei vielen wohl nicht so ganz…
    Grüße


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