09 Dezember 2009 ~ 3 Kommentare

iBrokr – leicht und unkompliziert

An der Börse lässt sich Geld verdienen, aber auch oft welches verlieren. Ganz besonders schnell geht das mit den sog. CFDs (Contracts for Difference), eine Wette auf Kursunterschiede. So handelt der Käufer eines CFDs mit einem Verkäufer (Emittent) die Vereinbarung aus, die Differenz im Wert eines Basiswertes (z.B. DAX) zwischen An- und Verkauf erstattet zu bekommen. Steigt der Basiswert um einige Punkte, bekommt der Käufer des CFDs diese Punkte in Euro ausgezahlt. Natürlich nur, wenn er die Richtung der Kursbewegung vorausgesehen hat. Oft liegen Anleger bei diesen Wetten aber falsch, so soll die Cash-Burn-Rate in diesem Segment bei 80% liegen.

Seit ein paar Wochen gibt es mit der Fidor AG einen neuen Player im Markt. Die Plattform ibrokr.de ist zwar laut Header-Grafik noch beta, aber schon voll funktionsfähig. Dort gibt es schon jetzt ein paar Besonderheiten zu beobachten, die ich hier vorstellen möchte.

Das Screensdesign orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der Zielgruppe. Wäre dort allerdings nicht das große Bild von der Frankfurter Börse abgebildet, könnte man meinen, man sei beim Online-Wettbüro bwin gelandet.

ibrokr_bwin1

<-- links: ibrokr bwin: rechts -->

Die Ähnlichkeit der beiden Webseiten ist wirklich frappierend und hat sicherlich auch mit der Positionierung von iBrokr zu tun. Nicht kompliziert und hochmathematisch soll Traden mit den hochspekulativen CFDs sein, sondern vor allem Spaß machen und einfach sein.

Zur erfolgreichen Ansprache der Zielgruppe wählt iBrokr die niedrigst mögliche Eintrittsbarriere: So ist der Tradingbereich – das Herzstück eines jedes Anbieters -  nicht hinter einem Login versteckt, sondern direkt auf der Startseite erlebbar. Bei anderen Anbietern ist der Tradingbereich vor der Anmeldung maximal über einen Demo-Account sichtbar. Der muss aber erstmal beantragt werden. Bei iBrokr gibt es einen Live-Chart zu sehen, auf dessen Verlauf “gewettet” werden kann. Der Realtime-Chart bildet den Verlauf eines Underlyings ab (DAX, Dow, Devisen). Dabei handelt es sich allerdings nicht um den tatsächlichen Kurs, sondern um eine Indikation. Über zwei Buttons “kaufen” “verkaufen” wird dem Besucher vermittelt, wie einfach eine Teilnahme ist.

Die Stärke dieses Vorgehens ist allerdings zugleich auch eine Schwäche von iBrokr. Die Chartverläufe sind so grob dargestellt, dass Profis sich nicht angesprochen fühlen werden. Diese sind es gewohnt, mittels komplexer Charttechnik den Trendverlauf eines Indexes zu prognostizieren. Da sich außerdem der Betrachtungszeitraum nicht ändern lässt, fällt technische Chartanalyse hier komplett weg. Die Zielgruppe der männlichen Online-Wetter zwischen 18-35 Jahren verlangt dies aber wahrscheinlich auch gar nicht. Und von denen gibt es vielleicht mehr als von den Profis.

Keep it simple auch bei der Anmeldung:
zur Teilnahme ist keine PostIdent-Legitimation notwendig. Es reicht eine einfache Anmeldung per Double-Opt-in. Wer möchte, kann zu einem späteren Zeitpunkt seine Identität per Überweisung bestätigen (gleiches Verfahren wie Verifizierung bei Click&Buy). Durch die Verifizierung kann der persönliche Verfügungsrahmen erhöht werden. Dieser lag bei mir zu Beginn bei 100 €.

ibrokr_totalverlustrisiko

Von dem Totalverlustrisiko habe ich mich nicht abhalten lassen. Schließlich spendiert iBrokr jedem neuen Nutzer 5€ Investment-Power zum Einstieg. Den niedrigen Einstiegsschwellen zum Dank (ab 1 Euro) habe ich auch direkt mal einige Trades durchgeführt.

ibrokr_orderplazierung_466

Leider haben die 5 Euro aber nicht lange gehalten :-(

Next Generation Brokerage – lautet der nicht ganz unbescheidene Claim von iBrokr. Ob es das wirklich ist, wird sich zeigen. Insgesamt finde ich, dass die Fidor AG hier eine gelungene Anwendung hingestellt hat, die durch Ihre spielerischen Elemente besticht. Gerade bei der hohen Cash-Burn-Rate und der damit einhergehenden Notwendigkeit neue User zuzuführen, glaube ich, dass diese offene und transparente Darstellung bei der Zielgruppe gut ankommen wird. Mal abwarten, wie die etablierten Player reagieren.

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


3 Kommentare zu “iBrokr – leicht und unkompliziert

  1. Kröner Matthias 15 Dezember 2009 um 15:33

    Vielen Dank für diesen kritischen Beitrag!!
    Das mit dem Chart, vor allen Dingen beim Easytrader haben wir natürlich sehr ernst genommen. Wer heute auf den Chart beim Easytrader klickt, kann diesen vergrößen und damit massiv verfeinern. Gleichzeitig geht damit einher, dass der User unterschiedliche Darstellungen einsetzen kann, sei es “graph” oder “Candle Stick”. Und das, wie bisher, auf Realtime-Basis – vollkommen kostenfrei! Darüber hinaus arbeiten wir nun nach dieser Erstfassung nun konsequent an der Weiterentwicklung des Angebots. Dies immer unter der Zielsetzung, dass die Börse einfach zugänglich sein sollte und vor allen Dingen SPASS machen kann. Bedeutet: die weitere Entwicklung wird wirklich spannend. Mache ich mir Sorgen wegen der “etablierten Player”? Da sag ich mal nichts zu…. ;-)))

  2. Thomas 17 Dezember 2009 um 22:32

    soo kritisch war der Beitrag doch gar nicht gemeint:-)

  3. Helmuth 29 Dezember 2009 um 15:27

    Ich habe das Spiel 1×2 als Simulation ausprobiert und bin zum Ergebnis gekommen, dass die einzigen profitablen Trades bei einer sehr niedrigen Rendite zB 8% möglich sind. Man muss sehr häufig gewinnen um überhaupt einen richtigen Profit zu machen. Ich finde das Risiko des Verlustes auch Dank Gebühren viel zu hoch. Na ja die Zeit wird es zeigen ob ich Recht hatte. Als Idee finde ich es nicht schlecht. Etwas mehr Rechenbeispiele wäre nicht schlecht.


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