01 August 2013 ~ 10 Kommentare

Die Girokonto-Revolution: Interview mit Jonas Piela von avuba

logo-avubaJonas Piela arbeitet derzeit daran, den Banking-Markt mit einem neuen Girokonto zu revolutionieren. Ein Vorbild ist die Bank “simple” aus den USA. Im Interview spricht er über das neue Produkt, glücklichen Kunden und seinen Zielen.

direktBank-Marketing: Hallo Jonas, stell Dich doch bitte unseren Lesern kurz vor

Jonas Piela: Hi, ich bin Jonas, habe in den letzten Jahre den Linkbuilding-Spezialisten Suxeedo mitaufgebaut und arbeite nun seit Anfang des Jahres an der Zukunft des Bankings.

direktBank-Marketing: Seit Januar arbeitest Du an Deinem neuen Produkt avuba.de. Wie kommst Du vom Linkbuilding-Dienstleister zum Banking? Gab es ein persönliches Schlüssel-Erlebnis oder ist avuba.de das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung des Marktes?

Jonas Piela: Die Bankenbranche hat in den letzten 20 Jahren keine nennenswerte Innovation gesehen. Ich selbst musste das leidvoll mit meinem eigenen Girokonto erfahren und habe mich darüber geärgert, dass keine Bank das besser macht. Wir sind der Meinung, dass Banking auf dem aktuellen Stand der Technik sein sollte und weil das niemand zu machen scheint, machen wir es nun selbst. ;)

direktBank-Marketing: Fast jeder Bundesbürger besitzt bereits ein Girokonto. Was unterscheidet Euer Produkt von den etablierten Produkten?

Jonas Piela: Ein Großteil der Girokonten ist von vier Merkmalen geprägt: Komplizierte Gebühren mit vielen Ausnahmen und nur scheinbar kostenlosen Konten, das Abheben von Bargeld ist nur an den eigenen Automaten möglich oder andernfalls enorm teuer, Web- und Mobile-Apps sind gefühlt 10 Jahre zurück und schließlich bietet der Kundenservice nur mühsam und zudem enorm bürokratische Hilfe. Wir machen all das besser, indem wir ein Girokonto geschaffen haben, das klare und transparente Gebühren, weltweit kostenfreies Abheben von Bargeld, moderne Apps mit automatischem Haushaltsbuch, sowie unbürokratisch und einfache Hilfe bietet.

direktBank-Marketing: Bei Euch soll das Girokonto nach dem Online-Abschluss innerhalb von 24Stunden einsatzbereit sein. Wie wollt Ihr das machen?

Jonas Piela: In der allerersten Phase werden wir die Konten mit unseren Kunden gemeinsam eröffnen, um unsere Kunden bestmöglichst zu betreuen. Da wir enorm schlanke Prozesse haben, werden die Konten noch am selben Tag im System angelegt und sind dann spätestens am nächsten Tag online. Der Kunde bekommt in diesem Falle eine SMS, die ihn über die Kontoeröffnung informiert. Um das möglich zu machen, haben wir alle notwendigen Formulare auf das Minimum reduziert und auch die Identifizierung geschieht in wenigen Minuten. Ganz ehrlich: Bei einem Technologieprodukt wie einem Girokonto, bei dem eigentlich keine manuelle Arbeit notwendig sein sollte, müsste da nicht jedes Konto in Minuten online sein? Das ist unser Ziel, aktuell müssen wir uns noch mit 24 Stunden zufrieden geben.

direktBank-Marketing: Ihr bietet 24/7-Kundenservice und einen Concierge-Dienst für Eure Kunden. Wie groß ist das Team von avuba ?

Jonas Piela: Am heutigen Tag sind wir zwei Gründer und eine Reihe von externen Supportern und Unterstützern. Wir sind aktuell auf der Suche nach echt guten Social Media Managern, Entwicklern, Entrepreneurial Interns, Customer Care Mitarbeitern und einigen anderen, sodass wir im weiteren Verlauf auf ein Team von zehn leistungsstarken Mitarbeitern anwachsen. Mir ist persönlich wichtig, dass jeder im Team von der Relevanz unserer Mission überzeugt ist, in seinem Fach Höchstleistung bringen möchte und natürlich Spaß an der Arbeit hat. Bei einem so kleinen Team ist es wichtig, dass alle miteinander arbeiten wollen. Und hinsichtlich des Concierge-Dienstes: Jeder der ersten Kunden spricht mit uns Gründern persönlich. So wichtig ist uns, dass wir verstehen, was jeden Kunden bewegt, dass wir mit jedem persönlich sprechen!

direktBank-Marketing: Geld ist Vertrauenssache – dieser Slogan findet sich häufig in den Broschüren der etablierten Finanzhäuser. Nur ein Spruch oder sind Kunden in Deutschland kritisch(er), was die Auswahl von Partnern bei Finanzdienstleistungen angeht? Wie definiert Ihr Eure Zielgruppe und wie wollt Ihr diese erreichen?

Jonas Piela: Ich glaube, Vertrauen ist wichtig. Gerade habe ich einen Text gelesen, der sagt, dass, wer seinen Kunden zuhört, Vertrauen aufbaut. Und genau das machen wir. Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden glücklich sind und das schaffen wir, indem wir ihnen zuhören und dadurch herausfinden, was sie wirklich wollen. Und genauso logisch ist, dass zufriedene Kunden unser Girokonto weiterempfehlen werden. Woran viele Unternehmen scheitern ist, dass sie es nicht schaffen, genau dieses Zuhören kompromisslos in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist schwer, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.

direktBank-Marketing: Voraussichtlich im September soll das avuba-Girokonto online sein. Derzeit nehmt Ihr Vorbestellungen an. Gibt es noch Stolpersteine oder ist das Produkt schon fix und fertig? Was sind Eure mittelfristigen Ziele ?

Jonas Piela: Bei den Ideen und Zielen, die wir haben, ist das Produkt noch längst nicht fertig. ;) Es ist aber soweit fertig, dass es die ersten echten Kunden verwenden können. Ich freue mich selbst schon auf mein erstes Konto! In der Tat haben wir aktuell mehr Vorbestellungen, als wir vermutlich in 2013 liefern können. Uns ist es wichtig, dass jeder Kunde glücklich ist und lieber geben wir am Anfang weniger Konten heraus und sorgen dafür, dass wirklich alles reibungslos verläuft, als dass wir damit prahlen, wieviele Kunden wir bereits haben und dabei einige auf der Strecke bleiben. Wir können und werden uns keinen Ausrutscher bei der Sicherheit erlauben. Immerhin handelt es sich um Geld. :)

direktBank-Marketing: Jonas, herzlichen Dank für das Interview!

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


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10 Kommentare zu “Die Girokonto-Revolution: Interview mit Jonas Piela von avuba

  1. Johannes 19 August 2013 um 12:20

    Jonas Piela hat leider nicht ganz recht wenn er sagt: “ich habe mich darüber geärgert, dass keine Bank das besser macht.” Denn seine Idee ähnelt interessanter Weise sehr dem Girokonto der Fidor Bank AG in München. Deren Chef Matthias Kröner beschwört genau dieses Problem bereits seit Jahren in unzähligen Interviews und hat deshalb bereits 2009 eine Onlinebank mit Vollbanklizenz gegründet… Auf Direktbank-marketing.de wurde dazu ebenfalls schon einmal ein Artikel veröffentlicht: http://www.direktbank-marketing.de/blog/finanzwerbung/fidorpay-produktchancen/

  2. Jonas 19 August 2013 um 14:34

    Johannes, danke für deinen Kommentar! Wir kennen die Leute hinter Fidor und stehen voll auf deren Seite. Ich glaube, dass es in Deutschland weiterhin die Notwendigkeit gibt, Innovation im Banking weiter voranzutreiben und dass es mehr als einen Anbieter dafür geben kann. Avuba unterscheidet sich von Fidor insofern, dass wir uns schlicht auf ein Produkt, dem Girokonto, konzentrieren, das wir wirklich gut machen wollen, denn wir glauben, dass das es ist, das die Menschen am meisten gebrauchen können.

  3. Stefan 15 September 2013 um 20:39

    Mir bleibt schleierhaft, wie Avuba das Reverse Interchange fuer ATM-Nutzung erwirtschaften will, wenn doch ATM-Behebungen kostenfrei, ich korrigiere, weltweit kostenfrei sein sollen.
    Wie bei so vielen Start-Ups ist auch hier der Business Case nicht nachvollziehbar. Wenn net-m die Banklizenz hergibt und die DZ-Tochter GAD das Processing durchfuehrt, machen die das bestimmt nicht umsonst, oder? Oder werden die ueber Sauercrowd bezahlt?

  4. Jonas 16 September 2013 um 09:27

    Hi Stefan,

    danke für deinen Kommentar! Avuba verdient, wie die meisten Banken, Geld über Zinsen auf Einlagen, Erträge aus dem Geschäft mit Kreditkarten (Interchange) und je nach Konto auch über eine monatliche Gebühr. Wir glauben, dass sich mit diesem Model ein nachhaltiges Konto anzubieten lässt. Für Detail fragen kannst du uns aber auch gerne per E-Mail oder Twitter (@avuba) kontakieren!

    Gruß
    Jonas

  5. Thomas 4 August 2014 um 09:00

    Ein sehr interessanter Artikel mit Ansichtsweisen, die ich bislang gar nicht so gesehen habe. Da kann auch ich noch einiges dazu lernen.

  6. Jan 9 August 2014 um 14:31

    Ein sehr interessantes Interview. Mich würde interessieren, wie das Produkt inzwischen bei den Kunden ankommt. Die Zielgruppe sind ja bestimmt eher technikaffine jüngere Leute.

  7. Andreas wissemann 9 August 2014 um 23:25

    Bitte nicht nur an die junge Generation denken.Auch senioren muss man dieses produkt schmackhaft machen.

  8. Jonas 12 August 2014 um 15:45

    Danke für die weiteren Kommentare. :)

    Inzwischen haben wir die erste Version unseres Kontos veröffentlich. Aktuell kann damit jeder einfach Geld an Freunde senden. Die Zielgruppe sind wirklich in erster Linie jüngere, technikaffine Leute. Hinsichtlich Senioren denke ich, ist der Spagat für den Anfang zu groß, da das eine völlig neue Zielgruppe mit ganz anderen Anforderungen ist. Hast du einen konkreten Anwendungsfall, Andreas?

    Jeder kann sich Avuba hier herunterladen: http://get.avuba.de

  9. Gregor on Tour 10 Juni 2015 um 19:15

    Vor ein paar Monaten hatte ich mit dem Kundenservice von Avuba einen freundlichen Kontakt. Ich fragte, wann eine Giro- bzw. Kreditkarte raus kommt und wie es mit Affiliate-Marketing aussieht.

    Nach ein paar Tagen kam eine nette Antwort, dass man dran arbeite. Ist hier bekannt, ob bei dieser Arbeit bereits ein terminlich fixiertes Ergebnis ansteht?

  10. Thomas 27 Juli 2015 um 21:36

    Das ist schade! avuba hat seinen Nutzern zum 31.08.2015 gekündigt http://www.gruenderszene.de/allgemein/avuba-kuendigt-nutzern


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