19 Juli 2010 ~ 4 Kommentare

Banken und SEO: Traurige Targobank

Der 1. Juli war sicher kein besonders glücklicher Tag für die neue Targobank. An diesem Tag endeten die Eigentumsrechte an der Domain www.citibank.de und gingen an die US-amerikanische Citigroup über. Bisher wurde diese Domain auf www.targobank.de weitergeleitet. SEOs sprechen hier von einem 301-redirect.

Am 1. Juli wurden die Server dieser Domain abgeschaltet und die Weiterleitungen waren auf einen Schlag weg. Das ist nicht nur für Kunden blöd, die vielleicht ein bisschen träge sind und die immer noch über den alten Bookmark z.B. zu ihrem Online-Banking wollen. Ganz besonders schlecht ist das für die Sichtbarkeit der neuen Seite www.targobank.de in Suchmaschinen wie google. Bei einer Weiterleitung wird auch der Suchmaschinen-Trust von der alten zur neuen Domain “weitergereicht”. Im Falle von citibank.de war das eine ganze Menge an Trust. Die Domain hatte im Laufe der Jahre über 1.000 Backlinks erhalten und diese gelten Google als der Hauptfaktor für Trust. Nach dem Wegfall der Weiterleitungen hat die Domain www.targobank.de massiv an Sichtbarkeit bei Google verloren.

In einem Sichtbarkeits-Vergleichsdiagramm lässt sich das schön ablesen.

Sichtbarkeitsindex Citibank.de / Targobank.de

Sichtbarkeit bedeutet dabei, mit welcher Anzahl von Keywörtern eine Webseite im Google-Index vertreten ist und wie trafficstark diese Keywörter sind. Ein Punkt Sichtbarkeit entspricht etwa 30.000 Besuchern pro Monat über Google. Im Februar 2010 hatte die Citibank einen Sichtbarkeitsindex von 7,87 und bis zum 1. Juli konnte die Targobank davon 6,44 Indexpunkte übernehmen. Hier würde ich auf einen Dämpfungsfaktor von knapp 20% tippen, der bei der 301er-Weiterleitung für etwas Verlust an Trust sorgt. Damit könnte die Targobank sicher leben, aber nach dem Wegfall der Weiterleitungen sind nun nur noch 3,54 Indexpunkte davon über  – und damit ein Verlust von bestimmt 100.000 Google-Besuchern pro Monat!

Bemerkenswert ist, dass die Targobank diese Zusammenhänge schon vorher erkannt hat und wie sie darauf reagiert hat. Die Webmaster von verlinkenden Webseiten sind von der Targobank angemailt worden. Ein sehr aufwändiges Verfahren! Ich selbst bin von einer Mitarbeiterin aus der Internet-Abteilung per Mail angeschrieben worden, ob ich die von meiner Seite aus gesetzten Links in Targobank-Links ändern kann. Ich hatte die Seiten der alten Citibank in zwei Blogbeiträgen verlinkt. Dieses Vorgehen verdient meinen Respekt, ich fürchte allerdings, dass die Aktion trotzdem nicht sehr erfolgreich war. Ich hätte mit der Linkänderung vielleicht ein kleines Incentive für den Webmaster verbunden, einen Gutschein zum Beispiel. Aber eigentlich haben die Crédit Mutuel oder die Verhandler des Citibank-Deals einen Fehler gemacht. Die Domain-Weiterleitungen hätten in den Vertrag mitaufgenommen werden müssen.

Aus SEO-Sicht finde ich an diesem Beispiel schön, wie gut sich daran die Wirkungsweise von 301er-Weiterleitungen ablesen lässt. Etwas erstaunlich finde ich, dass die abgeschaltete alte Domain nochmal an Sichtbarkeit zu gewinnen scheint. Mit dem Faktor 2,9 ungefähr den Differenzbetrag, den die Targobank abgegeben hat. Allerdings sind von citibank.de zum aktuellen Zeitpunkt nur noch um 100 Seiten im Index.

Citibank - nur noch 67 Seiten im Google-Index

Die Screenshots kommen aus der SEO-Toolbox von SISTRIX . Der Sichtbarkeitsindex wird ebenfalls von SISTRIX erhoben.

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Autor:  Thomas Hönscheid berät und unterstützt Finanzdienstleister bei der Neukundengewinnung über das Internet. Bis vor kurzem leitete er das Marketing der OnVista Bank und des Finanzportals OnVista.de. Bei einer großen Genossenschaftsbank war er für klassisches Marketing und Website-Management verantwortlich.


4 Kommentare zu “Banken und SEO: Traurige Targobank

  1. seouxindianer 19 Juli 2010 um 14:44

    Offensichtlich wurde kein SEO zur Vertragsgestaltung hinzugezogen. ^^ Vertraglich geregelte Redirects hätten unter den alten Seitenstrukturen sicherlich genutzt werden können und würden jetzt Usern und der Targobank zugute kommen.

    Ich finde es klasse, dass die Targobank versucht, ihre existierenden Links nachbessern zu lassen. Selbst wenn die Erfolgsrate nur 5% beträgt, sind das mehr als gar keine Links und damit schon prima. :)

  2. rebuy 19 Juli 2010 um 14:58

    Sehr interessanter Artikel. Ist das mit dem Dämpfungsfaktor von 20% bei den 301-Redirects generell so, oder nur bei diesem Beispiel?

    Am Rande: kleiner Fehler [...] verbunden, einEN Gutschein zum Beispiel [...]

  3. Frank 19 Juli 2010 um 18:04

    Ach ja, Banken und SEO… Hast du dir schon die Rankings einer uns gut bekannten Bank zu ihrem Lieblingskey angeschaut?

  4. Thomas 19 Juli 2010 um 20:53

    @seouxindianer

    Stimmt, in Zukunft etwas mehr SEO-Kompetenz bei Due Diligence-Prüfungen, bitte! :-)

    @rebuy
    Wie hoch der Dämpfungsfaktor genau ist, weiss ich auch nicht. Fakt ist aber, dass es einen gibt. By the way, wenn Du vermeiden willst, dass Deine Kommentare mit nofollow geflaggt werden, würde ich unter einem normalen Namen posten und keine Deeplinks setzen.

    @Frank

    Hi Frank, die sind bei dem (Lieblings-)Keyword *lol* etwas abgerutscht. Abgesehen davon scheinen die anderen Werte aber auf den ersten Blick normal. Wenn Dir dort noch etwas aufgefallen ist, gerne per Mail.


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